GluShu – Islandpferdestute

Vermutlich letzte Lösung Glushu- – ein Erfahrungsbericht…
Fast drei Jahre lang waren wir für unsere inzwischen 17-jährige Islandpferdstute auf der Suche nach einer Lösung für ihre immer problematisch werdenden Vorderhufe. Eine jahrelange, dem Pferd und seiner Mechanik unangemessene Hufbearbeitung und unbedacht fehlernhafte Beschläge verschiedener Schmiede (Seit dem Sommer 2014 waren es insgesamt vier.) führten dazu, dass das Pferd zuletzt nur noch über eine hauchdünne Sohle verfügte. Der Huf wurde immer flacher. Auf der Zehe hatte sich eine Hornknolle gebildet. Das Pferd lief auf der Sohle und konnte nicht mehr abrollen. Die Wände waren abgehebelt und hohl. Im Bereich der Zehe sind die Schädigungen bis heute sichtbar. Im Januar 2018 konnte das Pferd kaum noch laufen. Neben dem schlechten Zustand seiner Vorderhufe war es verstellt und völlig aus der Balance gebracht. Es war nicht mehr möglich, Nägel in die Wände zu setzen. Hinzu kam ein Fehler beim letzten Umbeschlagen. Das Pferd stand mit jedem Vorderhuf auf zwei Platikkanten einer Luvexplatte, die eigentlich vor dem Aufnageln hätten abgeknipst werden müssen und in die Trachten bohrten. Durch glückliche Umstände und das spontane Verständnis von Martina Staemmler-Gerusel für unsere Situation kam ein schneller und unkomplizierter Kontakt mit Ulrich Gerusel zustande. Nur einen Tag später wurden die Hufe bearbeitet und die Schuhe geklebt. Das Gangbild des Pferdes verbesserte sich nur sehr langsam und unser Tierarzt musste das Pferd immer wieder mit Schmerzmitteln unterstützen. Die Schuhe wurden alle fünf bis sechs Wochen erneuert. Es gab immer wieder Rückschläge und Einbrüche. Vor ca. einem Monat lief die Stute plötzlich schlagartig besser. Das Gangbild wird konstant besser. Wir sind uns sicher: Ohne die diesem Pferd angemessene und unvoreingenommene, individuelle, zuverlässig regelmäßige und sorgfältige Hufbearbeitung durch Ulrich Gerusel und ohne den Glushu gäbe es unser Pferd vermutlich nicht mehr. Wir haben gelernt: Wenn Menschen mit ihrem Latein am Ende sind, dann schieben sie im ungünstigsten Fall die Verantwortung und die Schuld auf andere, anstatt zu ihren Grenzen zu stehen und suchen und lernen zu wollen. Es lohnt sich, sich davon nicht beeindrucken zu lassen und außerhalb des eigenen Tellerrandes und regionaler Bezüge nach Lösungen und Musterunterbrechungen zu suchen. Es lohnt sich auch, trotz vieler und bitterer Enttäuschungen, trotz Verzweiflung, Zorn und Wut dennoch wieder in Kompetenzen zu vertrauen, Rückschläge auszuhalten und geduldig zu bleiben, auch wenn es den Anschein hat, als ginge es nicht voran. Unser Pferd wurde mit der Standarddiagnose Hufrehe über Jahre nach Schema F abgefertigt. Wir waren bereit, alle Gedanken an Kosten und Nutzen für eine lange Zeit beiseite zu legen. Wir haben gelernt, ruhiger zu bleiben, wenn die Dinge sich wieder verschlechtern. Genesung und Umstellung bedeuten zuweilen eine Art von Schmerzen, die mit der Ursprungsdiagnose nichts zu tun haben. Auch das mussten wir erst lernen. Ulrich Gerusel hat uns dabei geholfen, unseren „Rehe-Tunnelblick“ ein Stück weit zu verlernen, nicht immer alles auf die Ursprungsdiagnose zurück zu beziehen und gelassener und hoffnungsvoller zu werden. Das letzte Röntgenbild vom Juni 2018 hat gezeigt, dass das Hufbein und die Hufwand wieder nahezu parallel zueinander stehen. Das Pferd hat wieder Sohle. Es kommt in Balance und steht nicht mehr rückständig und untergeschoben. Bis die Wände so heruntergewachsen und so stabil sind, dass genagelt werden kann und bis das Pferd wieder über einen Tragrand verfügt, wird es noch dauern. Ganz egal, wie es letztlich ausgeht: Wir sind erleichtert, dass es Schmiede gibt, die genau hinschauen, die bereit sind, ihre Routinen zu verlassen, wo Routinen nicht weiterhelfen, die weitersuchen, wo es nicht weitergeht, die bereit sind, querzudenken, zu experimentieren, die die für das Pferd notwendigen Bearbeitungs-Intervalle zuverlässig und pünktlich einhalten und die sich stetig weiterbilden. Jeder macht einmal Fehler. Doch nur wer bereit ist, sich seine Fehler einzugestehen und über die eigenen Grenzen hinaus aus ihnen zu lernen, wird Pferden letztlich wirklich und langfristig hilfreich sein können. Wir hoffen und denken, dass wir unsere Hylling noch einmal für eine lange und glückliche Pferdelebenszeit als Therapie- und Reitpferd zurück bekommen. Für diese Hoffnung sind wir wirklich sehr froh!

 

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